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Tagebuch vom 02. Juli - 05. August 2005 (25)
 
Gemeinde  
Sonntag, den 2. Juli 2005
Die Gottesdienste in unserer Gemeinde sind immer wieder ermutigend. Auch die Zeugnisse, die darin immer aus der letzten Woche von den Einheimischen erzählt werden. Eine Frau erzählte:
Foto: Die Gottesdienste in unserer Gemeinde sind sehr bewegend.  

” Letzte Woche kamen vormittags drei Diebe mit Messern bewaffnet und drangen in unsere Hütte ein. Sie fragten mich, wo mein Mann sei und wo das Feld ist, wo er gerade arbeitet. Und sie bedrohten mich mit ihren Messern. Ich habe ihnen gesagt, dass ich keine Angst habe, weil Jesus bei mir ist und habe ihnen gesagt, dass sie uns und unsere Familie in Frieden lassen sollen – in Jesu Namen!
Da knieten die drei Einbrecher nieder, legten ihre langen Buschmesser vor mich hin, entschuldigten sich und gingen kleinlaut davon. Gott sei gedankt!"
Das sind diese einfachen und grossartigen Berichte unserer tansanischen Geschwister aus ihrem Leben.
 
 
Donnerstag, den 7. Juli 2005
London   Die Anschläge in London machen uns sehr traurig. Auf dem Schild des zerbombten Busses können wir den Namen unseres Stadtteils in London lesen, in dem wir zwei Jahre wohnten: Hackney. Nach und nach kommen die ersten Informationen, wer betroffen ist  aus unserem damaligen Umfeld: Die Mutter einer Schulfreundin der Kinder unserer Freunde kam in einer der U-Bahnen ums Leben, ein Betreuer unserer alten Freundin Grace war im Bus, als die Bombe explodierte, aber konnte sich lebend befreien.
Foto: Die Anschläge von London machen uns traurig  
     
     
Judith   Freitag, den 8. Juli 2005
Heute ist der dritte Geburtstag unserer kleinen Anna. Nachmittags hat sie eine Feier mit einigen kleinen, aber auch grossen Freundinnen, die sie eingeladen hat. Auch Judith Müller-Späth ist dabei, die im Internat für Missionars-Teenager arbeitet. Sie ist wie eine grosse Schwester für Anna. Wir waren schon öfter mit ihr am Southbeach, dem Südstrand von Daressalaam, oder Samstag frühstücken in der Stadt.
Foto: Unsere Kollegin Judith, ganz rechts, hier mit Mitmissionaren.  
Heute schenkt Judith ihr einen Kinder-Klappstuhl, den Anna stolz benutzt und in ihr Zimmer stellt. Judith ist nicht fit, fährt früher nach Hause
 
 
Sonntag, den 10. Juli 2005
Daniela   Sonntag, den 10. Juli 2005
Unsere Kollegin Daniela hatte ihr Auto nur kurz vor unserem Tor abgestellt. Als sie nach 10 Minuten wiederkam, war einer der Seitenspiegel abmontiert, geklaut.

In unserer Gemeinde "Mbezi Chape" werden acht Leute im Gottesdienst vorgestellt, die in den letzten Wochen zum Glauben kamen. Eine andere Person wird getauft
Foto: Unsere Mitmissionarin Daniela Prang auf der Missionsstation.  
 
 
Montag, den 11. Juli 2005
Unsere Kollegin Judith schickt eine SMS: Es wurde eine Lungenentzündung bei ihr festgestellt. Wird jetzt mit Antibiotika behandelt.
 
 
Dienstag, den 12.Juli 2005
Die Missionarin, die wir aus Nord-Tansania zurück erwarten zur Übernachtung bei uns, verspätet sich: Der Bus, mit dem sie fuhr, wurde überfallen. Eine Bande von Strassenräubern hat einen mittelgrossen Felsbrocken in die Fensterscheibe des Fahrers geworfen, um den Bus nach einem Unfall dann auszurauben.

Der Felsbrocken verfehlte aber den Fahrer. Es gab leichte Verletzungen durch die Scherben bei einer Person, aber der Bus konnte mit zerbrochenen Scheiben weiter und den Räubern davon fahren.

Da wir nächste als Familie die gleiche Strecke mit demselben Bus fahren werden, ist das etwas beunruhigend. Abends ist die Missionarin gut bei uns angekommen.
 
 
Donnerstag, den 14.Juli 2005
Unsere Kollegin Judith wird von unserem Arzt nochmals abgehört, das Antibiotikum verlängert.
 
 
Samstag, den 16. Juli 2005
Sitzen beim Frühstück, als jemand versucht, unser Tor zum Gelände hoch zu steigen. Die drei Schäferhunde schlagen sofort an und drohen ihm. Der Mann überlegt es sich schnell anders und verschwindet. Noch bevor ich am Tor sein kann. Gut, solche drei Hundefreunde zu haben... .
 
Abends kommt die Nachricht, dass unsere Kollegin Judith ins Krankenhaus gebracht worden ist, um ein Röntgenbild zu machen. Fahren sofort hin, besuchen sie. Christine bleibt dort, bis sie richtig aufgenommen ist und im Krankenzimmer. Es ist Mitternacht, als sie wieder kommt.
 
 
Sonntag, den 17. Juli 2005
Judith morgens besucht. Mit den Kindern. Die Ärzte sagen zwar, dass wir sie vorsichtshalber zuhause lassen wollen. Wollen aber, dass Judith die Kinder sieht, schliesslich sind es ihre kleinen Freundinnen. Ausserdem hat sie wenig Abwechslung dort.
 
 
Montag, den 18. Juli 2005
Richard Metzger   Richard Metzger hat heute Geburtstag! Seit drei Jahren gestaltet er unsere Homepage! Sind so dankbar für die unzähligen Stunden, die er hier hinein investiert hat und investiert, und auch in die London-Homepage damals.
Die kleine Anna sagte heute: "Papa, ich hab  mir weh getan. Mein Po ist umgeknickt. Ach, nee, es war mein Fuss."
Foto: Unser Freund Richard Metzger, unser Webmaster, hat heute Geburtstag  
 
 
Dienstag, den 19.Juli 2005
Bin mit meiner anderen Kollegin Daniela im Krankenhaus. Ein Röntgenbild wurde wieder gemacht. Es sieht so schlecht aus, dass wir an baldmögliches Ausfliegen denken.
Telefonieren mit Wiedenest, funken mit Mbesa, reden mit Judith`s Eltern, geben "Alarm" an die Versicherung in Deutschland, damit die Luftrettung schnell kommt. Zum Glück sind wir ja alle dort versichert.

Judith selbst hat mich auch gebeten, dass sie möglichst bald nach Hause gebracht werden kann. Ein medizinischer Bericht geht noch heute nach Deutschland.
 
 
Mittwoch, den 20. Juli 2005
Christine und Daniela und auch ich sind jeden Tag zu abwechselnden Zeiten bei Judith im Krankenhaus. Mit dem Arzt hier von unserer Mission versuchen wir alle zusammen zu erwirken, dass endlich, endlich ein Rettungs-Flugzeug in Deutschland losgeschickt wird, um Judith zu holen.

Ich mache mir grosse Sorgen, sehe aber, dass Judith relativ stabil wirkt. Vom dem, was der Arzt über das Röntgenbild der Lunge gesagt hat, scheint aber jede Zeit kostbar zu sein und das ganze Zögern eher gefährlich. Warum gibt es so lange und bürokratische Hürden? Ich verstehe es überhaupt nicht, zumal die Versicherung doch dazu da ist, in einem solchen Fall schnell zu handeln. Auch von Wiedenest aus versucht man zu helfen und zu telefonieren.
 
 
Samstag, den 23. Juli 2005
Judith´s Sachen sind gepackt. Wir warten mit Judith in der Klinik auf die Crew der deutschen Luftrettung. Bis heute hat es gedauert, bis sie hierher geschickt worden sind. 11.00 Uhr:

Der deutsche Arzt und der deutsche Krankenpfleger betreten das Krankenzimmer von Judith im Aga Khan-Krankenhaus in Daressalaam. Der deutsche Arzt geht sofort auf Judith zu und sagt zu ihr als ersten Satz: "Wir bringen Sie jetzt nach Hause."

Bei diesen Worten kommen mir die Tränen und nicht nur mir.  Judith sagt zu mir: „Ich mache mir jetzt schon Gedanken, wie das wird, wenn ich das hier mit der Krankheit nicht überlebe. Wie das für meine Eltern wäre und meine ganze Familie." Ganz zum Schluss beim Verabschieden sagt sie zu mir: "Danke für alles, was ihr getan habt und bitte grüsse Christine noch mal von mir – und Susan und Anna natürlich!“
 
Dann geht es zum Krankentransport. Tränen bei allen Beteiligten und Abschied von Judith. Unsere Gebete begleiten sie.
 
 
Sonntag, den 24. Juli 2005
Haben nichts aus Deutschland gehört von Judith. Sind sehr unruhig darüber.
Abends die Nachricht: Judith geht es anscheinend nicht gut.
 
 
Montag, den 25.Juli 2005
Judith wird beatmet und ist in künstlichem Koma. Man hatte schon am Sonntag eine schwere Leukämie im Hintergrund festgestellt. Dadurch wurde vermutlich die Lungenentzündung so schlimm.
 
 
Judith  

Dienstag, den 26. Juli 2005
Unsere Freundin und Mitmissionarin Judith ist um 22.00 Uhr im Kreis ihrer Familie in einer Marburger Lungenklinik gestorben. 27 Jahr alt.
 
Foto: Gott hat unsere Mitmissionarin und Freundin Judith Müller-Späth heute zu sich gerufen
 
 
Anna   Mittwoch, den 27.Juli 2005
Wir sind alle fassungslos über den Heimgang unserer Freundin. Dass Gott sie zu sich gerufen hat! Können es einfach nicht glauben. Sie war doch gerade noch hier.

Unsere Kinder erfassen es mit ihrem kindlichen Verstand nach der kindesgemässen Erklärung am Besten: Judith ist jetzt bei Jesus, dem König.
Foto: Anna denkt über den Himmel nach  
Und zusammen mit ihrem Bruder Micha (Micha, Judith`s Bruder, starb letztes Jahr bei einem Autounfall) dürfen sie jetzt dort in der Nähe von Jesus sein:

"Der Herr Jesus `knuddelt` die jetzt, weil die bei ihm sind und der die lieb hat! Die dürfen bei ihm sein!" - das ist der Kommentar von Anna, 3 Jahre. Nach einer Weile fragt Anna dann: "Kann der Gott die Judith nicht wieder zu ihrer Papa und Mama zurückgeben?"  Ja, können kann er. Aber er tut es nicht. Jetzt nicht. Im Himmel wird es ein Wiedersehen geben. Jetzt nicht. Das ist die harte Realität. Wir versuchen sie zu begreifen an diesem Tag. Und mit uns viel unendlich schmerzhafter ihre Familie in Deutschland.
 
Nachmittags treffen sich viele Missionare unterschiedlicher Missionen und solche Leute, die Judith kannten, zu einem Gedenkgottesdienst für Judith. Es wird für die Familie, besonders die Eltern von Judith gebetet.
Judith hat viele Menschen geprägt, war ermutigend mit ihrem Wesen für Viele. Auch für uns. Das wird mehr und mehr deutlich.
 
 
Freitag, den 29.Juli 2005
Denken viel an unsere Gemeinden in Deutschland und die in England: Was dort wohl die Einzelnen bewegt, was wohl in den Familien aktuell ist. Denke im Gebet an Einzelne und danke Gott für sie.
 
 
Moshi   Samstag, den 30.Juli 2005
Fahren in einen Krater mit Tieren in der Nähe von Moshi. Auch, damit die Kinder einmal etwas anderes sehen nach den Erfahrungen mit Judith. Sie reden gerne von ihr.
Foto: Matthias und Susan auf dem alten Bahnhof aus deutscher Kolonialzeit in Moshi    
     
Wasserbüffel    
Foto: Herde von Wasserbüffeln    
     
Giraffe    
Foto: Giraffe im Arusha Nationalreservat    
 
Mount Meru.    
Foto: Susan macht Pause auf dem Autodach.Im Hintergrund der Mount Meru.    
 
Ngurdoto-Crater    
Foto: Blick in den Ngurdoto-Crater bei Moshi    
 
Affe    
Foto: Affe  des Typs "White Collobus"    
 
 
Montag, den 01.August 2005
Kommen abends aus Moshi in Nordtansania zurück. Zurück auf der Missionsstation überkommt uns die Situation mit Judith, unserer Kollegin, wieder neu. Sie fehlt uns. Denken viel an ihre Familie. Hören von der Beerdigung in Siegen am Samstag.
 
 
Mittwoch, den 3. August 2005
Manche Gedanken bewegen mich wegen unserer Arbeit hier. Wie arbeiten wir hier, was machen wir hier, sollen wir auf Dauer hier arbeiten. Vielleicht ist das einer der schwierigsten Punkte meiner Zeit in Tansania bisher überhaupt. Es ist schwer, ins Detail zu gehen. Überlege natürlich, ob nur die Anspannung der letzten zwei Wochen diese Gedanken auslöst.
 
 
Freitag, den 5.August 2005
Hatten unwahrscheinlich viele Gäste diese Woche. Kamen abends, nachts, morgens an mit den Flugzeugen. Neue Kurz-Zeit-Missionare, die für ein Jahr kommen. Auch Medizinstudenten, die in unserer Klinik in Mbesa ein Praktikum machen werden.
Heute abend werden noch mehr Familien kommen.
Anna und Susan   Susan ist ja nun sechs Jahre alt und stellt viele Fragen. Da sie das ja auch tut, wenn man mal nicht soviel Zeit hat, habe ich mir angewöhnt, dass wir abends vor dem Schlafengehen ein Frage- und Antwort-Spiel spielen: sie darf mir eine Frage stellen, aber dann darf auch ich ihr eine Frage stellen, dann wieder sie usw. .

Dadurch erfahre ich noch mal mehr, was sie so bewegt als in den normalen Gesprächen über Tag.
Foto: Susan liebt es, Fragen zu stellen    
Fragen von ihr waren gestern z.B.: "Kann jemand uns Gott wegnehmen?", "Warum gibt es Länder, in denen man keine Bibel haben darf?", "Kann man oder muss man später, wenn wir im Himmel sind, da auch wieder raus, so wie Adam und Eva aus dem Paradies?", "Warum hat Gott die Meerschweinchen so klein gemacht und die Elefanten so gross?", "Wie macht man Papier?", "Warum kommt Jesus jetzt nicht wieder?", "Warum kann ich jetzt noch nicht bei Gott im Himmel sein?".
 
Letzten Montag auf der Rückreise von Moshi im Norden fragte Susan mich: "Warum glauben manche Leute nicht an Gott." Darauf ich: "Weil sie ihn noch nicht richtig kennen." Susan: "Papa, warum kennen manche Leute nicht viel von Gott?" Darauf ich: "Weil sie noch nichts oder zu wenig von ihm gehört haben." Eine kleine Pause. Dann: "Papa, wie können die Menschen, die Gott noch nicht kennen, von ihm hören?" Das war eine Frage, die genau ins Zentrum unserer Arbeit in Tansania traf. Menschen hören von Jesus, wenn sie etwas von ihm erzählt und das Evangelium vorgelebt bekommen.
 
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